Der Verein Kinderhaus am Pinnasberg
wurde 1990 als Initiative der Schule Friedrichstraße, der Gemeinwesenarbeit
St. Pauli Süd, der Kirchengemeinde und engagierter Menschen
aus der Nachbarschaft gegründet, um den am stärksten benachteiligten
Kindern und ihren Familien in St. Pauli Hilfe vor Ort anzubieten.
Als 1994 das Kinderhaus in einem ganz normalen Mietshaus den Betrieb
aufnahm, war es die erste stationäre Einrichtung für Kinder
und Jugendliche in St. Pauli. Fast 15 Jahre später ist der Jugendhilfeträger
Kinderhaus am Pinnasberg noch immer die einzige Einrichtung im Sozialraum,
die Kinder und Jugendliche „milieunah“ unter Erhalt ihres
Lebensortes und der elementarsten sozialen Bezüge (Familie,
Schule, Freunde) stationär und ambulant betreut.
Selbstverständnis/ Leitbild
Das Stichwort „milieunah“ charakterisiert unser pädagogisches
Selbstverständnis: Die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien
werden mit ihren Schwierigkeiten angenommen und wertgeschätzt.
Die problematischen Verhaltensweisen und oftmals dramatischen Verhältnisse
in den Familien betrachten wir im Kontext ihrer Entstehung, als
legitime und z. T. notwendige Reaktion auf die schädigenden
Interaktionen und Beziehungen am Lebensort. Anstatt die Kinder
aus ihrem Umfeld zu „versetzen“, arbeiten wir ressourcenorientiert,
indem wir die sozialen Bezüge erhalten und helfen belastete
Beziehungen wieder positiv zu gestalten. Dabei müssen die
eigenen Möglichkeiten zur Problemlösung oft mühsam
freigelegt und entwickelt werden.
Wertschätzung, Beteiligung, das Bemühen um hohe Fachlichkeit
und um lebenspraktische Erfolge prägen unser Handeln. Es ist
ausgerichtet auf die soziale Integration und die Förderung
der individuellen Möglichkeiten und Selbstverantwortung der
von uns betreuten Menschen.
Methodische Schwerpunkte
Grundlage der pädagogischen Arbeit ist ein Verstehen und Sich-Einlassen
auf die Lebenswelt der Betreuten. Veränderungen sind vor allem
durch die Arbeit mit der Beziehung möglich. Die PädagogInnen
bieten sich als Modell/ Vorbild an, um Beziehungsgestaltung und
soziale Kompetenz zu erlernen. Dabei ist eine verlässliche
und integere Haltung ebenso wichtig wie ein Ernst-nehmen der Betreuten
und ihre Beteiligung am Hilfeprozess.
Erst auf einer so geschaffenen Vertrauensbasis ist es möglich
gemeinsam Krisensituationen zu bewältigen und notwendige Grenzsetzungen
vorzunehmen. Mit Hilfe von Intervention, Konfrontation und Reflektion
arbeiten wir mit den Betreuten an der Überwindung von Krisen
und dissozialem Verhalten.
Weder in den stationären noch den ambulanten Hilfen geht
es darum, Familienteile einfach zu „ersetzen“. Wir
bieten eine professionell gestaltete Beziehung an, um die Schwierigkeiten
im Familiensystem zu bewältigen und die individuellen Ressourcen
frei zu legen.
Unser pädagogisches Handeln richtet sich auf die Gestaltung
eines altersgerechten fördernden Alltages für die Kinder
und Jugendlichen. Der Aufbau von Strukturen im Familienalltag,
das Erarbeiten von Regeln und deren Einhaltung sind wichtige Schritte
auf dem Weg zur vollständigen sozialen Integration. Dies gilt
sowohl für unsere stationären wie für die ambulanten
Hilfen.
Die nachhaltige soziale Integration der betreuten Menschen gelingt
nur, wenn sie wieder Teil eines sozialen Netzwerkes werden. Um
dies zu fördern, sind wir selbst als Träger vernetzter
Bestandteil des Sozialraumes, kooperieren mit den sozialen und
kulturellen Institutionen vor Ort.
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